Workation

Erste «inner-chinesische» Workation in der grössten Stadt der Welt

Erste «inner-chinesische» Workation in der grössten Stadt der Welt

Workation
23. August 2026 Lesedauer: 5 Minuten
Jasmin Wüthrich

Seit bald vier Jahren lebe ich nun in China. Und genauso lange hat es gedauert, bis ich mich an meine erste Workation innerhalb dieses Landes gewagt habe. Nach diesen paar Tagen in Chongqing wundere ich mich, weshalb ich damit so lange gewartet habe.

An den möglichen Reisezielen liegt es sicher nicht, unsere Liste wird nämlich eher länger als kürzer. An fehlender Reiselust auch nicht, wir durften in diesen vier Jahren schon unglaublich viele schöne Städte, Regionen und Orte sehen. Der Grund ist ein viel banalerer: Google, WhatsApp und Co. sind hier nicht immer und überall zuverlässig erreichbar. Zu Hause haben wir unser Setup, und da weiss ich, dass in neunundneunzig von hundert Fällen alles läuft und ich Zugriff auf alles habe, was ich zum Arbeiten brauche. Unterwegs ist das eben ein bisschen Glückssache.


Mit etwas mehr Vorbereitung stand einem ersten Versuch dann aber nichts mehr im Weg.

Beeindruckender Sonnenaufgang auf der Dachterrasse des Hotels mit einem Morgenschwumm, fast für mich allein. Die Stimmung teilte ich nur mit einer scheuen Strassenkatze.

Warum ausgerechnet Chongqing?

Zum einen hat sich die Gelegenheit ergeben, meinen Mann auf einem seiner Business Trips zu begleiten. Zum anderen kenne ich die Stadt bereits ein wenig, falls man bei 32 Millionen Einwohnern überhaupt von «kennen» sprechen kann. Im April waren wir schon einmal hier, zusammen mit meinen Eltern und meiner Schwester, die uns bereits zum zweiten Mal besucht haben. Ich wusste also ungefähr, worauf ich mich einlasse. Und weil die Stadt in den westlichen sozialen Medien gerade immer bekannter wird, war auch die Recherche nach guten Spots zum Arbeiten etwas einfacher.


Chongqing gilt nach administrativen Stadtgrenzen als einwohnerstärkste und damit grösste Stadt der Welt. Auf Social Media hat sie zwei Übernamen bekommen: Cyberpunk-City und 8D-Stadt. Ersteres wegen der futuristischen Architektur im und am Hang und der verschachtelten Bauweise, die stark an Science-Fiction erinnert. Zweiteres, weil die Stadt mitten in die Berge gebaut wurde und man gleichzeitig im Erdgeschoss und auf einer zweiten Ebene im 22. Stock stehen kann. Entsprechend ziehen sich unfassbar viele Treppen durch die Stadt, quasi das St. Gallen von China ;-)

Ein Tag, drei Arbeitsplätze.

Millionenstadt, leere Cafés

Ich hatte mir im Voraus zwei Cafés herausgesucht, in denen ich je einen halben Tag arbeiten wollte. Begonnen habe ich den Arbeitstag trotzdem im Hotelzimmer. In China hat zwar alles sieben Tage die Woche und abends bis neun oder zehn Uhr offen, dafür öffnen die Türen morgens erst gegen zehn.


Das erste Café war winzig und etwas versteckt, und ich hatte es den ganzen Vormittag für mich allein. Die Besitzerin war sehr nett und wollte wissen, was ich denn hier in China mache. Wir haben uns eine Weile unterhalten, gemischt auf Chinesisch und Englisch, was hier eine ziemliche Seltenheit ist, weil kaum jemand Englisch spricht. Die zweite Hälfte des Tages verbrachte ich in einem grösseren, moderneren Café. Auch dort waren kaum mehr Gäste als am Morgen, was für eine Stadt mit so vielen Einwohnern und Touristen schon erstaunlich ist.


Überhaupt: Obwohl wir immer während der chinesischen Feiertage unterwegs sind, kann ich die Situationen mit wirklich überwältigenden Menschenmassen bis heute an einer Hand abzählen.

Die Skyline bei Nacht mit Blick auf die Qiansimen-Brücke und die Hongyadong.

Feierabend in Chongqing

Am Abend habe ich mich wieder mit meinem Mann getroffen. Wir sind zum wohl berühmtesten Spot Chongqings gefahren, über den Jialing-Fluss auf der Qiansimen-Brücke spaziert und haben die Hongyadong von oben bestaunt.


Am nächsten Tag standen zwei Kulturviertel und ein bekannter Fotospot auf dem Programm, für die uns im April die Zeit gefehlt hatte. Abschliessen wollten wir den Sightseeing-Teil mit der wöchentlichen Drohnenshow mit bis zu 5000 Drohnen. Zu meinem Pech regnete es genau an diesem Abend aus Kübeln. Und wenn ich Kübel schreibe, dann meine ich das wörtlich, denn in China ist alles ein bisschen anders, auch der Regen. Anständig nieseln kann es hier nicht, das Wasser kommt sintflutartig vom Himmel. Die Show blieb mir also auch dieses Mal verwehrt, nachdem ich bereits beim ersten Chongqing-Trip den Samstagabend mit einem Sonnenstich im Hotelzimmer verbracht hatte statt beim Drohnenspektakel. Vielleicht beim nächsten Mal dann ;-)


Den dritten und letzten Tag verbrachten wir ganz entspannt auf dem Hoteldach im und am Pool, bevor es am Nachmittag zurück nach Hause nach Wuxi ging.

Der Gegenpart der Twin-Brücken auf der anderen Halbinselseite, aufgenommen aus dem historischen Longmenhao-Viertel.
Die historische Yangtze River Cableway über den Jangtse. Was heute Kulturstätte ist, war lange ein wichtiges Verkehrsmittel im Alltag, um auf die andere Flussseite zu gelangen.

Fazit

Eine Workation innerhalb von China braucht etwas mehr Vorbereitung und Planung, damit man notfalls auch ohne Server- oder Internetzugang zur westlichen Welt arbeiten kann. Für ein verlängertes Wochenende hat das hervorragend funktioniert. Einem zweiten Versuch steht also nichts im Weg, und ich bin gespannt, wohin es mich als Nächstes zieht.

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