Gastro Graubünden

Graubünden findet neue Antworten auf den Fachkräftemangel und gewinnt dafür nationalen Preis

26. März 2026

Die Bündner Gastronomie und Hotellerie kämpfen weiterhin mit einem Fachkräftemangel. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat GastroGraubünden die Kampagne «Hesch z'Züg zum» ins Leben gerufen. Die innovative Kampagne wurde dafür nun mit dem Swiss HR Award 2026 ausgezeichnet. Die Auszeichnung zeigt: Wer Fachkräfte kreativ und ehrlich anspricht, kann etwas bewegen und das weit über Graubünden hinaus.

Für einen Kanton, dessen Wirtschaft stark vom Tourismus lebt, ist der Fachkräftemangel im Gastgewerbe eine ernste Herausforderung. Betriebe spüren den Druck täglich, etwa bei der Suche nach qualifiziertem Personal oder bei der langfristigen Planung, wenn Öffnungszeiten angepasst werden müssen. «Wir mussten handeln und wollten zeigen, dass unsere Branche mehr zu bieten hat, als viele denken», sagt Marc Tischhauser, Geschäftsführer von GastroGraubünden.

Einen dieser neuen Wege beschreitet GastroGraubünden seit einigen Jahren mit der GastroStory. Ein Kampagnenformat, das mittlerweile in der vierten Ausgabe läuft und nun mit dem Swiss HR Award 2026 ausgezeichnet wurde, einer der renommiertesten HR-Auszeichnungen der Schweiz.

Vom Bierdeckel zum Traumjob

Die Idee dahinter ist so einfach wie ungewöhnlich: Viele Menschen, die in der Gastronomie oder im Tourismus arbeiten könnten, suchen gar keinen Jobwechsel – zumindest glauben sie das. GastroGraubünden will genau diese Menschen erreichen. Nicht mit einer klassischen Stellenanzeige, sondern dort, wo sie ohnehin sind: beim Znacht im Restaurant, beim Kaffee im Hotel oder während der Fahrt mit der Bergbahn.

Wer in einem Bündner Restaurant auf den GastroStory-Bierdeckel schaut oder in einer Hotellobby einen Tischaufsteller sieht, findet einen QR-Code. Wer diesen scannt, landet auf der Webseite «Swipe4Job». Ein kurzes Online-Quiz, das wie eine Dating-App funktioniert: Swipe nach rechts oder links, und nach ein paar Klicks erfährt man, was in einem steckt. «Du bist ein Multitalent» oder «Du hesch z'Züg zum Küchenstar» und dazu gleich die passenden offenen Stellen in einem der rund 300 Bündner Betriebe, die bei der Kampagne mitmachen.

Von der Idee zur Erfolgsgeschichte

Das Konzept kommt an. Allein 2025 wurde die GastroStory rund 1,8 Millionen Mal am Point of Sale – also direkt vor Ort in den 300 teilnehmenden Betrieben – gesehen und über 770'000 Mal online. Zudem haben mehr als 2'000 Menschen das Quiz «Swipe4Job» gespielt. Der Kampagnenfilm, gedreht im Herbst 2024 in Arosa mit rund 100 Statistinnen und Statisten, wurde rund 30'000 Mal aufgerufen. Seine Botschaft ist klar: «Du machsch dr Unterschied.»

Der Erfolg gibt dem Format Rückenwind. Die GastroStory 2026 ist bereits in vollem Gange: Vier neue Kurzvideos zeigen, wie Alltagstalente – vom Organisationsgeschick über Gastfreundschaft bis hin zum Küchentalent – der Schlüssel zu einem Einstieg oder Wiedereinstieg in die Gastronomie und Hotellerie sein können. Denn vielleicht hat man das Zeug dazu und weiss es noch gar nicht. Ganz nach dem Motto: «Hesch z'Züg zum?»

Eine Auszeichnung als Signal für den ganzen Kanton und darüber hinaus

Die Jury des Swiss HR Awards überzeugte an dem Projekt das Zusammenspiel von digitaler Innovation, Gamification, physischer Präsenz in den Betrieben und einer ehrlichen Kommunikation, die nicht beschönigt, sondern einlädt.

«Diese Auszeichnung gehört der ganzen Branche», sagt Franz Sepp Caluori, Präsident von GastroGraubünden. «Sie zeigt, dass die Gastronomie und Hotellerie attraktive Arbeitgeber sind und dass wir den Mut haben müssen, das auch zu zeigen.» Der Award sei ein Signal weit über die Branche hinaus: Graubünden zeige der Schweiz, dass kreative Ideen auch auf strukturelle Probleme eine Antwort finden könnten.

Applaus in Zürich für eine Idee aus Chur

Entwickelt und umgesetzt wurde die Kampagne von der Churer Agentur Markenkern. Den Award nahmen GastroGraubünden und Markenkern gemeinsam entgegen – am Mittwochnachmittag in Zürich, anlässlich des HR Europe Festivals.

Das Projekt hatte sich zuvor gegen rund 50 Mitbewerber durchgesetzt: erst durch ein Juryvoting ins Finale, dort dann durch Publikumsvoting zum Sieg.

Fotos: David Biedert / HR FESTIVAL