Weshalb jedes Unternehmen ein Start-up ist

Weshalb jedes Unternehmen ein Start-up ist

Spricht man von Start-ups, haben die meisten ein stereotypes Bild vor Augen: Junge Menschen sitzen in einem Loft oder einem renovierten IndustriegebÀude hinter einem Bildschirm und programmieren pausenlos an der App von morgen. Bad News: Das Bild ist ein Klischee und stimmt in den meisten FÀllen nicht. Good News: Jedes auch noch so gestandene Unternehmen kann vom Start-up-Spirit viel lernen.

 

Was die meisten Start-ups gemein haben, ist die zugrunde liegende Idee. Niemand grĂŒndet ein Unternehmen und ĂŒberlegt sich dann, was man machen könnte. Am Anfang steht immer eine Idee, eine Vision oder eine neue Form fĂŒr eine konkrete Problemlösung.
Gleichzeitig ist es fĂŒr jedes junge Unternehmen völlig klar, dass es ins kalte Wasser springt und schwimmen muss, koste es was es wolle. Sich permanent und rasch verĂ€ndernde Um- und WiderstĂ€nde gehören fĂŒr sie zum Normalzustand, nicht zur Ausnahme. Und um die richtigen Mitstreiter zu finden, die bereit sind, auch ausserhalb der Komfortzone zu arbeiten, braucht es mehr als einen hohen Lohn, nĂ€mlich Werte und Sinnhaftigkeit. Drei Punkte, die von vielen «klassischen» Unternehmern und Unternehmerinnen oft vernachlĂ€ssigt werden.

 

Fokussiert aufs Wesentliche

Im TagesgeschĂ€ft wird es oft etwas hektisch. Informationen prasseln auf unterschiedlichsten KanĂ€len auf die Mitarbeitenden ein, die Infos wollen sortiert werden, das GegenĂŒber erwartet ja eine rasche Antwort. Unternehmer sind meist im Reaktions-Modus und vergessen, selbst die ZĂŒgel in die Hand zu nehmen und zu agieren. Meist geht hierbei etwas Wichtiges verloren – der Fokus aufs Wesentliche. Hier hilft es, sich regelmĂ€ssig zu fragen, welche Ziele weshalb verfolgt werden, was hilft, diese zu erreichen und wo man in Zukunft öfters Nein sagen sollte. Der zentrale Punkt dabei ist, dass dies nicht nur auf Leitungsebene passiert, sondern das ganze Unternehmen informiert sein muss. Damit alle am gleichen Ende desselben Stricks ziehen.

 

Schneller Wandel als Chance

Die Digitalisierung von GeschĂ€ftsprozessen und Dienstleistungen hat viele gewichtige Vorteile – aber einen grossen negativen Effekt auf den Menschen: Sie beschleunigt die AblĂ€ufe derart, dass das menschliche Hirn nicht mehr mithalten kann. Das verunsichert und lĂ€hmt, weil zu viele Optionen auf dem Tisch liegen. Folge: Aus Angst vor falschen Entscheidungen wird nicht mehr entschieden. Und das ist die wohl schlechteste Antwort auf den Wandel. Eine Hilfestellung kann sein, sich nicht zu hinterfragen, was man anbietet, sondern wie. Das «was» bleibt konstant, das «wie» verĂ€ndert sich permanent. Wenn man diese Sichtweise verinnerlicht, wird der Wandel plötzlich zur Chance und zur Motivation.

 

Die richtigen Mitarbeitenden im Zentrum

GemĂ€ss eines Artikels in der Handelszeitung zeigt sich aktuell gut die HĂ€lfte aller Angestellten in der Deutschschweiz offen fĂŒr einen beruflichen Wechsel. Corona hat diese Tendenz wohl verstĂ€rkt, ist aber nicht der Hauptauslöser. Mitarbeitende suchen Sinnhaftigkeit in der TĂ€tigkeit, wollen ernstgenommen und individuell gefördert werden.
Dies bringt KMU und grössere Unternehmen plötzlich in eine neue Situation. Sie mĂŒssen sich aktiv bei zukĂŒnftigen Mitarbeitenden bewerben und Perspektiven bieten. Was lange ein Papiertiger war, ist nun RealitĂ€t; Marketing-Blabla zieht nicht mehr, Plattformen wie kununu werden immer öfter konsultiert, negative Bewertungen halten potenzielle Bewerberinnen und Bewerber ab.
Auf der anderen Seite ist nichts wertvoller, als den richtigen Menschen am richtigen Ort zu haben; Motivation, Leistung und LoyalitÀt steigen und alle sind bereit, im Bedarfsfall die Extrameile zu gehen.
Es mag auf den ersten Blick ziemlich mĂŒhsam klingen, sich permanent als Start-up zu fĂŒhlen und auch so zu agieren. Faktisch ist es jedoch eine RealitĂ€t, denn Marktsituation und Mitbewerber Ă€ndern sich stetig und rasend schnell.
Gleichzeitig sucht der Mensch Sicherheit und BestÀndigkeit. Paradoxerweise schliesst das eine das andere nicht aus. Wenn eine klare, sinnvolle und langfristige Vision verfolgt wird, permanenter Wandel als Chance und nicht als Stresssituation wahrgenommen wird und sich die Teammitglieder in jeder Situation aufeinander verlassen können, dann stehen die Chancen sehr gut.
Und egal wie gross ein Unternehmen ist oder wie lange es schon auf dem Markt ist, ein Restrisiko bleibt immer. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Das ist Teil des Systems.

 

Fabio Aresu ist Markeningenieur, Spezialist fĂŒr Digital Business, Engineering, Employer Branding und Organisator des Jungunternehmerforums GraubĂŒnden