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KI in Unternehmen: Warum Routinen wichtiger sind als Hype
KI in Unternehmen: Warum Routinen wichtiger sind als Hype
Künstliche Intelligenz wird seit zwei Jahren als Lösung für fast alles präsentiert. Viele Unternehmen haben getestet, gezögert und sich eine Meinung gebildet. Manche waren beeindruckt, andere skeptisch. Einige haben das Thema innerlich bereits abgehakt. Seitdem ist Zeit vergangen und mit ihr eine ganze Generation von Modellen. Die Frage ist nun nicht mehr, ob man damals richtig lag, sondern wie man heute wieder Anschluss findet.
Neulich beim zMittag: Ein Geschäftsführer eines Bündner KMU lehnt sich zurück, verschränkt die Arme und sagt: «KI? Hab ich ausprobiert. Bringt jetzt nicht so viel.»
Sein letzter Versuch? ChatGPT. Kostenlose Version. Irgendwann Anfang 2024. Seitdem hat sich die Technologie nicht einfach weiterentwickelt, sie hat wahrhaftig Quantensprünge gemacht und sich um mehrere Generationen weiterentwickelt. Neue Modelle, bessere Ergebnisse, ganz andere Möglichkeiten.
Er weiss es nur nicht. Und damit ist er nicht allein.
Diesen Satz vom Beginn des Textes höre ich inzwischen fast jede Woche. Nicht von Skeptikern, sondern von klugen, erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern. Menschen, die ihr Geschäft kennen, ihre Zahlen verstehen und strategisch denken.
Und genau das macht es so heikel.
Denn wer glaubt, KI bereits «verstanden» zu haben, verschliesst sich der Entwicklung. Und diese Entwicklung wartet nicht. Das grösste Risiko ist heute nicht die Angst vor KI. Sondern das Gefühl, schon genug darüber zu wissen.
Nicht mehr die KI von gestern
Wer KI vor anderthalb Jahren zuletzt getestet hat, beurteilt heute eine Technologie, die es in dieser Form nicht mehr gibt. Die kostenlosen Versionen von damals waren beeindruckend für eine Demo, aber unzuverlässig im Alltag. Sie halluzinierten Fakten, scheiterten an einfachen Rechenaufgaben und produzierten Texte, die man bestenfalls als Ausgangsmaterial verwenden konnte.
Das ist vorbei. Die aktuellen Modelle – Stand Februar 2026 – arbeiten auf einem völlig anderen Niveau. Sie analysieren komplexe Dokumente, schreiben funktionsfähigen Code, führen mehrstufige Recherchen durch und treffen eigenständige Entscheidungen. Der Unterschied ist kein kleiner Schritt. Er ist so gross wie zwischen einem Klapphandy und einem aktuellen Smartphone.
Gerade Schweizer KMU, die zurecht pragmatisch danach entscheiden – «Bringt es etwas oder nicht?» – laufen Gefahr, eine Technologie vorschnell abzuschreiben, deren Leistungsfähigkeit sich alle vier bis sieben Monate verdoppelt. Wer also im Frühjahr 2024 ein «Klapphandy» getestet hat, sollte nicht glauben, er wisse, was ein aktuelles Smartphone kann.
KI-Müdigkeit ist real – und genau das ist das Problem
Ich verstehe die Müdigkeit. Seit über zwei Jahren wird KI als die Lösung für alles verkauft. Jedes zweite LinkedIn-Posting verspricht «10x Produktivität mit einem Prompt». Auf jeder Konferenz gibt es ein KI-Panel. Irgendwann schaltet man ab. Oder dreht innerlich am Rad.
Verständlich. Aber gefährlich.
Denn Wegschauen war noch nie eine Strategie. Das wissen gerade Schweizer Unternehmerinnen und Unternehmer, die schon den Frankenschock, die Digitalisierung und den Fachkräftemangel navigiert haben. Wer diese Herausforderungen gemeistert hat, hat bewiesen, dass Anpassungsfähigkeit vorhanden ist. Die entscheidende Frage lautet aber: Wird sie auch diesmal aktiviert?
Die neuen Modelle markieren einen echten Wendepunkt. Sie führen nicht mehr nur Befehle aus, sondern urteilen, optimieren und arbeiten mehrstufig an Projekten. GPT-5.3 Codex und Claude Opus 4.6 beispielsweise – seit wenigen Wochen verfügbar – waren bereits an ihrer eigenen Weiterentwicklung beteiligt. Die technologische Realität spricht eine eindeutige Sprache, der Marketing-Hype ist vorbei. Das lässt sich nicht mehr ignorieren.
FOMO ist kein Zeichen von Schwäche
Das Gefühl, den Anschluss zu verlieren, kennen gerade viele: vom kleinen Handwerksbetrieb in einem Bündner Bergdorf bis zum grossen Konzern in der Stadt. Niemand hat den vollständigen Überblick. Auch nicht die vermeintlichen Expertinnen und Experten. Wer behauptet, alles zu verstehen, irrt sich oder verkauft etwas.
Die gute Nachricht: Das ist normal. KI entwickelt sich schneller, als ein einzelner Mensch sie vollständig erfassen kann. Der Unterschied zwischen denen, die mitkommen, und denen, die abgehängt werden, liegt nicht im theoretischen Wissen.
Er liegt in der Praxis. Das Zauberwort heisst Routine – verblüffend simpel, aber wahr. Hier entscheidet sich, wer Anschluss hält.
Zwei Gewohnheiten, die den Unterschied machen
Der Unterschied zeigt sich nicht im grossen Wurf, sondern im wiederholten Tun.
Gewohnheit 1: Fixe Zeitblöcke für KI-Weiterbildung
30 bis 60 Minuten pro Woche genügen. Betrachten Sie es nicht als Zusatzbelastung, sondern als wertvolle Investition wie jede andere Weiterbildung auch. Ein Newsletter, ein Testvideo, ein Fachartikel oder ein eigenes Experiment mit einem neuen Tool. Wer sich beispielsweise jeden Dienstagmorgen eine halbe Stunde blockiert, weiss nach einem Monat mehr als 90 % der Konkurrenz. Es geht nicht darum, jedes Mal einen Marathon zu absolvieren. Der wahre Hebel sind kleine und verlässliche Schritte.
Gewohnheit 2: Einen KI-Agenten für sich arbeiten lassen
Das klingt futuristisch, ist aber bereits heute möglich und einfach umsetzbar. Ein KI-Agent kann relevante Branchennews filtern, zusammenfassen und wöchentlich aufbereiten. KI nutzen, um KI zu verstehen – gerade für ein KMU mit knappen Ressourcen ist das ein enormer Hebel. Statt stundenlang selbst zu recherchieren, lassen Sie die Technologie die Vorarbeit machen.
Erfahrung trifft KI
Schweizer KMU bringen etwas mit, das kein Silicon‑Valley‑Start-up kopieren kann: tiefe Branchenkenntnis, echte Kundennähe und kurze Entscheidungswege Das sind Qualitäten, die keine KI ersetzt. Sie bleiben wertvoll, reichen aber allein nicht mehr.
Die Formel ist einfach. Erfahrung ohne AI Skills wird zum Auslaufmodell. AI Skills ohne Branchenerfahrung bleiben oberflächlich. Erst die Kombination schafft echten Wettbewerbsvorteil. Wer 20 Jahre Erfahrung in seiner Branche hat und lernt, KI gezielt einzusetzen, ist jedem Berufseinsteiger mit Prompt-Kenntnissen überlegen. Aber wer sich weigert, diese Skills aufzubauen, läuft Gefahr, von genau diesen Einsteigern überholt zu werden.
Das ist keine Panikmache, sondern eine Entwicklung, die sich in vielen Unternehmen bereits zeigt.
Die Fakten sprechen eine klare Sprache
Die Fakten sprechen eine klare Sprache.
Da wäre zum Beispiel der KI-Entwickler Matt Shumer, der den Februar 2026 als Wendepunkt bezeichnet. Dario Amodei, CEO von Anthropic, prognostiziert, dass KI innerhalb kurzer Zeit rund 50 Prozent der Einstiegsjobs im Bürobereich übernehmen könnte. Erstmals war ein KI-System nun auch an der Entwicklung seines eigenen Nachfolgers beteiligt. Das sind keine Zukunftsszenarien, das ist der Stand heute. Und dieser Stand verändert die Spielregeln.
Genau deshalb gilt: Der beste Moment, um anzufangen war vor einem Jahr. Der zweitbeste ist jetzt.
Lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, was für Ihr Unternehmen sinnvoll ist:
Als KI‑Beratung aus Graubünden unterstützen wir Unternehmen jeder Grösse dabei, KI verständlich und praxisnah im Alltag einzusetzen. Hier geht es zu unserem Angebot.
Fabio Aresu ist Markeningenieur, Spezialist für Digital Business Engineering, KI-Berater und -Integrator sowie Organisator des Jungunternehmenforums Graubünden.
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