«Das nächste Puzzleteil, das einfach passt.»

04.07.2018 | Melanie Salis war jahrelang als Radiomacherin tätig. Seit einem Jahr bildet sie junge Maurer und Baumaschinenmechaniker aus. Ein Wechsel, der sich für sie ganz natürlich ergab.

Dieses Portrait entstand mit unserer Unterstützung im Rahmen des Jahresberichtes 2017 der ibW Höhere Fachschule Südostschweiz.

Es ist Mittwochnachmittag, wir stehen vor dem modernen Hauptsitz der Zindel + Co. AG im Maienfelder Industriegebiet. Rund herum befinden sich Last- und Lieferwagen sowie die Gebäude weiterer namhafter Firmen der Region. Melanie Salis begrüsst uns mit ihrer freundlichen Stimme, die wir sofort wiedererkennen. Aus dem Radio. Während mehr als 20 Jahren war sie auf verschiedenen Sendern in der Region zu hören, zuletzt bei Radio Südostschweiz.

Wir setzen uns in die hauseigene Cafeteria. Nach 20 Jahren Radio sei es Zeit für etwas Neues geworden, so die 48-Jährige aus Ems. Auf unsere Frage, was einen Medienprofi wie sie in die Personalabteilung einer Baufirma führe, antwortet sie lachend: «Die pure Lust am Leben.» Sie sagt dies mit einem Leuchten in den Augen, man merkt ihr die Begeisterung für ihre neue Tätigkeit sofort an.

«Es war eine neu geschaffene Stelle, die über eine Personalvermittlung ausgeschrieben war, ohne Angabe des Arbeitgebers. Das hat mein Interesse sofort geweckt.» Melanie Salis liebt es, in neue Welten einzutauchen. Als sie erfahren hat, dass es sich um eine Baufirma handelt, sei sie doppelt erfreut gewesen. Als gelernte Möbelschreinerin fühlt sie sich im Anpackenden, Direkten und Bodenständigen zuhause.

An der ibW bildete sie sich zur Berufsbildnerin weiter. Seit Januar 2017 ist sie Personalentwicklerin und Lehrlingsverantwortliche im 350-köpfigen Familienbetrieb. Sie betreut rund ein Dutzend Lernende, darunter angehende Maurer und Baumaschinenmechaniker. Führungserfahrung habe sie zwar bereits gehabt, hält sie fest, aber der Berufsbildnerkurs habe das Wissen im Umgang mit Lernenden spezifiziert und wichtige Kontakte zu den kantonalen Stellen geknüpft. Komplett neu war der fachliche Teil der Baubranche: «Ich habe hier ein Haus voller Wissen. Eine Welt, die sich auftut. Was mir hilft, diese zu erkunden, ist, dass ich gerne auf Leute zugehe, mir nie zu schade bin für eine Frage. Und die Leute haben immer Freude, mir ihr Fach zu erklären», erzählt sie.

Das Ausbildungskonzept bei Zindel sieht eine enge Zusammenarbeit zwischen Personalabteilung, Ausbildungspolier und Lernenden vor. Die meisten Gespräche finden auf der Baustelle statt. Melanie agiert als Dreh- und Angelpunkt für alle Fragen rund um die Lernenden und koordiniert Berufsschule, überbetriebliche Kurse und Praxis. «Ich hab’ sie einfach gern, die jungen Leute. Es ist ein bisschen wie mit den eigenen Kindern: einer hat immer eine Herausforderung zu meistern. Das gemeinsame Finden einer Lösung und das Vertrauensverhältnis, das daraus entsteht, macht mir am meisten Freude», so die dreifache Mutter.

Und was macht die wandelbare, menschenliebende Powerfrau am liebsten in ihrer Freizeit? Harley fahren. Eine Dyna Street Bob. «Ich habe sie im Internet kennengelernt, meine grosse Liebe», scherzt sie. «Wann immer sich die Gelegenheit ergibt, gehe ich zusammen mit meinem Partner auf Tour. Diesen Sommer nach Frankreich.» Das Tolle an Motorrad- Ferien sei, dass man sich beim Gepäck auf das reduzieren müsse, was man wirklich braucht. Eine gute Lebensschule.

Melanie Salis absolvierte an der ibW den Lehrgang zur Berufsbildnerin und arbeitet heute als nebenamtliche Dozentin an der ibW.

Melanie Salis