«Wir jauchzen immer, wenn der Baum richtig liegt.»

25.06.2018 | Stefan Künzle ist den grössten Teil des Jahres mit dem Fällen von Bäumen beschäftigt. Der werdende Vater und angehende Forstwart-Vorarbeiter ist bereit, auch im Beruf mehr Verantwortung zu übernehmen.

Dieses Portrait entstand mit unserer Unterstützung im Rahmen des Jahresberichtes 2017 der ibW Höhere Fachschule Südostschweiz.

Über ein fein verzweigtes Netz ländlicher Strassen gelangen wir zum Werkhof der Korporation Unterägeri. Stefan Künzle begrüsst uns mit kräftigem Händedruck und wachem Blick. Der 29-jährige gelernte Forstwart aus Hagendorn bei Cham führt uns ins Büro des Betriebs, das passenderweise komplett in Holz gehalten ist. Mit einem Team aus zwei Förstern, sieben Forstwarten und zwei Lernenden bewirtschaftet er rund 1040 Hektar Wald. Ein Grossteil davon liegt im Hürital am Nordhang des Rossbergs im Kanton Zug.

Immer zwischen Mitte August und Ende April erntet das Team rund 10’000 Kubikmeter Holz. Warum die «Holzersaison» denn im Winter und nicht im  Sommer sei, wollen wir wissen. «Die Holzernte im Winter hat den Vorteil, dass man bei gefrorenem oder schneebedecktem Untergrund Bodenschäden vermeiden kann. Ausserdem stehen die Bäume nicht im Saft, der Hauptwachstumsphase, was sie weniger anfällig auf Ernteschäden macht», erklärt er. Stefan wird nach dem Abschluss seiner Weiterbildung eine Holzergruppe mit bis zu fünf Leuten übernehmen und von der Holzschlagplanung über die Logistik bis zur Lehrlingsausbildung weitere Verantwortungsbereiche übernehmen. Er strahlt eine authentische Ruhe aus, eine Zufriedenheit, die ansteckend ist. Man glaubt ihm sofort, dass er ein Team gut führen kann.

Begonnen hat Stefan Künzles berufliche Laufbahn mit einer Lehre als Landschaftsgärtner. Nach einiger Zeit auf dem Beruf suchte er die Abwechslung und arbeitete temporär auf dem Bau, als Projektmonteur, Gärtner und Metallbauer. Er habe auch Polizist werden wollen, erzählt er, aber das habe dann nicht geklappt. Nachdem er mit zusammen mit seiner Frau nach Hagendorn gezogen ist, hat er seine Forstwartlehre bei der Korporation Unterägeri begonnen. Sein Lehrmeister und Betriebsleiter Roman Merz ermutigte ihn, dass er sich später auch zum Vorarbeiter weiterbildet, denn im Betrieb stehen diverse Umstrukturierungen und Pensionierungen an. Eine Herausforderung, die Stefan gerne annahm.

Ausdauer und Fleiss hätten ihm im Leben ohnehin schon oft weitergeholfen. «In der Schule musste ich immer mit Fleiss dahinter, mehr machen als die Anderen. Das kommt mir jetzt zugute. Ich habe kein Problem damit, hart anzupacken.». Er meldete sich für die Weiterbildung zum Forstwart-Vorarbeiter mit eidgenössischem Fachausweis bei der ibW an. Auch auf Empfehlung seines Chefs, der selbst an der ibW war.

In der Freizeit bewegt sich Stefan gerne, Sport ist ihm wichtig: «Ich jogge oft und mache Krafttraining.». Auf die Frage, auf was er im Leben nicht verzichten könne, antwortet er: «Wahrscheinlich würde es gut klingen, wenn ich ‹meine Frau› sagen würde. Ist aber auch wirklich so.» und lacht. Im August erwarten die Beiden das erste gemeinsame Kind.

Stefan Künzle ist Forstwart-Student an der ibW.

Stefan Kuenzle